Bericht über die Podiumsdiskussion vom Freitag

Bericht über die Podiumsdiskussion vom Freitag

Kandidat Martin Gröschel (SPD), Moderator Tobias Baumgärtner, Kandidat Christian Hutter (CDU), Moderator Peter Dell und Kandidat Christian Völker (FDP) (von links) standen am Freitag auf der Bühne. ( Foto: Iversen)

Bericht in der Rheinpfalz.

Große Ideen trotz Sparzwang
Im vollen Kulturzentrum trafen am Freitag die drei Bürgermeister-Kandidaten aufeinander. Diskussionen untereinander gab es selten bis nie, dafür Austausch mit dem Publikum. Die Fragerunde offenbarte Gemeinsamkeiten und Gegensätze – aber auch einen großen Widerspruch.

Von Andreas Betsch

Kandidat Martin Gröschel (SPD), Moderator Tobias Baumgärtner, Kandidat Christian Hutter (CDU), Moderator Peter Dell und Kandidat Christian Völker (FDP) (von links) standen am Freitag auf der Bühne. ( Foto: Iversen)

«Hagenbach». Was bei der Bundestagswahl das Fernsehduell der Kanzlerkandidaten, ist bei der Kommunalwahl das Podiums-Treffen der Bürgermeisterbewerber. Ein solches gab es nun zum ersten Mal auch in Hagenbach, denn die Stadt bekommt einen neuen Stadtbürgermeister. Franz Xaver „F.X.“ Scherrer (CDU), seit 25 Jahren im Amt, tritt am 26. Mai aus Altersgründen nicht mehr an. Gleich drei Personen bewerben sich um die Nachfolge: Scherrers bisheriger Stellvertreter Christian Hutter (CDU, 43 Jahre), der langjährige Oppositionsführer Martin Gröschel (SPD, 54 Jahre) und Polit-Neuling Christian Völker (FDP, 44 Jahre).

Der große Saal des Kulturzentrums war voll. Die Moderatoren des Landauer Beratungsbüros „Kobra“, Peter Dell und Tobias Baumgärtner (ehemaliger Bürgermeister von Bellheim), gaben zunächst sechs Themenblöcke vor, dann waren die Bürger dran. Die Kandidaten selbst waren einander abgewandt. Jeder stand an einem Tisch, dazwischen je ein Tisch mit Moderator. Diskussionen untereinander gab es selten bis nie. In abwechselnder Reihenfolge kamen die Kandidaten zu Wort. Häufige Antwort der jeweiligen Nummer drei: „Dazu haben die Kollegen schon viel gesagt.“

Die Unterschiede liegen im Detail

Alle wollen „die Infrastruktur Hagenbachs stärken“, „den Menschen etwas bieten“: neues Bauland, Arbeitsplätze, altersgerechtes Wohnen. Unterschiede liegen im Detail. Etwa in Sachen einer Nordumgehung, die seit 30 Jahren umstritten ist: Während Gröschel (SPD) bis auf eine Autobahn nichts ausschließen möchte, legt sich Hutter (CDU) auf eine Straße im Umkreis des geplanten Baugebiets „Nord V“ fest. Völker (FDP) will einen größeren Bogen spannen: Die L540 von Berg solle weit um Hagenbach, am Ex-Sägewerk vorbei nach Wörth führen. Bisher verläuft sie durch die Friedenstraße.

Die Finanzen seien „die größte Herausforderung der nächsten Jahrzehnte“, waren sich alle einig. Um Kosten zu sparen, will Völker (FDP) Projekte mehr aufeinander abstimmen – „nicht quer arbeiten mit doppelten Kosten“. Hutter (CDU) kritisiert, dass die Verbandsgemeinde vier Millionen Euro gebunkert habe, wovon Hagenbach als größtem Umlagezahler 53 Prozent gehörten. Sein Argument, dass sich damit ein Großteil der drei Millionen Euro Schulden abbauen ließe, nannte Gröschel (SPD) „sehr kurzfristig gedacht“. Die Verbandsgemeinde brauche ja bald 17,8 Millionen Euro für Schulsanierungen. Dagegen kritisierte Hutter: „Von einem Euro gehen 85 Prozent weg. Mit was soll man dann noch arbeiten?“

Die Stadt sei „im Grunde handlungsunfähig“, meinte Gröschel, der Kreis müsse ihre Kredite genehmigen. Er will daher in den nächsten fünf Jahren „intensiv sparen“. „Großprojekte können wir uns derzeit keine leisten“, bestätigte Hutter. Jedoch: Am Tag zuvor präsentierten Planer dem begeisterten Stadtrat noch ihren Mindestens-zwei-Millionen-Euro-„Masterplan“ zur Umgestaltung des Schulgeländes und des Festplatzes. Alle Kandidaten liebäugeln zudem mit einer Sportplatz-Verlegung. Jenem Projekt also, das wegen der zu erwartenden hohen Kosten bisher nicht realisiert wurde. „Seien wir mutig und denken groß“, war etwa ein Slogan Völkers im Wahlkampf. „Wir sind eine Stadt und sollten auch so handeln und denken.“

Trotz der vielen Gemeinsamkeiten brachte der Abend wohl vielen Einwohnern mehr Klarheit für ihre Wahlentscheidung. Kein Kandidat bekam besonders viel oder besonders wenig Applaus. „Jeder hat gute und schlechte Seiten“, meinte ein Zuhörer. Das Rennen ist wohl noch offen.

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